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  • Papa – Kristine und ich haben den Artikel bei Telepolis gelesen.
  • Und?
  • Wir haben den Link sofort an alle Klassenkameraden geschickt.
  • Und?
  • Nun klingelt laufend das Telefon bei mir.
  • Und?

  • Alle sind empört und fühlen sich noch mehr verarscht. Jetzt wollen wir doch wieder weg. Am besten nach Schweden.
  • Dann müßt ihr vorher Schwedisch lernen.
  • Wir haben schon im Internet geguckt. Ob man dort studieren kann. Dort ist ja auch Englisch völlig normal.
  • Und?
  • Wir werden es versuchen.
  • Erst Australien oder Neuseeland, dann wieder nicht – und jetzt Schweden. Wißt ihr was ihr wollt?
  • Nö. Nicht wirklich. Es ist alles zuviel. Wir sind erst 18. Wir wissen kaum etwas über die Welt.
  • Dann bleibt bei Schweden. Ich war fünfmal dort und kann nur bestätigen, daß das Leben dort einfacher ist. Alles ist transparenter als hier – aber die Menschen leben sehr zurückgezogen. Da kannst du nur zu zweit hingehen. Sonst bist du einsam.
  • Also sollen wir das tun?
  • Die Fähre von Saßnitz nach Trelleborg braucht nur vier Stunden … Ist wie ein Tagesausflug.
  • Wo warst du in Schweden?
  • Hauptsächlich in Südschweden. Einmal bis nach Stockholm. Aber Nordschweden kenne ich nicht. Schweden hat eine große Ausdehnung von Süden bis Norden. Da fährst du durch endlose Wälder. Ich war immer mit dem Auto dort.
  • Ist es schön?
  • Wunderschön. Die Ostsee, viele Seen und ganz viel Wald. So wie in Vorpommern. Allerdings ist das Essen sehr gewöhnungbedürftig. War nicht mein Geschmack.
  • Wir können selbst kochen. Ist also nicht wichtig. Hast du mit 18 schon gewußt was du machen willst?
  • Bei mir war alles klar. Den Studienplatz hatte ich sicher. Nach dem Abi kamen 18 Monate Wehrdienst. Und dann bin ich in Leipzig gelandet. War eine schöne Zeit.
  • Niemals gezweifelt?
  • Ich wußte ja auch, daß man mir eine entsprechende Arbeitsstelle anbieten würde. Ich mußte auch keine Bewerbung schreiben und lügen. Woran sollte ich zweifeln? Ich wollte nach Berlin und bin dort gelandet. Es stimmte alles. Ich habe das nie bereut.
  • Schön für dich. Bei uns ist alles anders. Wir wissen nicht, was uns erwartet.
  • Dafür seid ihr aber frei.
  • Kannst du auch mal ohne Witze auskommen?
  • Wieso? Stimmt das etwa nicht?
  • Papa, ich muß jetzt los. Ciao.
  • Ciao Sohn.

Telefonat beendet.


Es ging um diesen Artikel bei Telepolis.