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Er saß wieder im Auto und dachte an die letzten Tage. Das Elternhaus seiner Mutter wurde im Krieg völlig zerstört. Dafür war er aber an ihrem See gewesen.

Vaters Elternhaus hatte er gesehen. Eigentlich wußte er jetzt alles. Aber er mußte weiter.

Die Studenten hatten ihn über die DDR ausgefragt. Keine Frage zu der BRD. Krause hatte seine Lebensjahre in der DDR geschildert. Offensichtlich begriffen die Studenten, daß ein Zeitzeuge mehr weiß, als irgendwelche schlecht geschriebenen Bücher.

Krause schmunzelte. Die Neugier der jungen Esten hatte ihn beeindruckt. Vielleicht gab es ja doch noch Hoffnung, daß die Welt sich wieder verändern würde.

Er selbst glaubte nicht mehr daran. Alles war wie in Stein gemeißelt. Nach über 30 Jahren Kapitalismus hatte er eins gelernt – er hatte eine unwiederbringliche Zeit erleben dürfen.

Ab 1989 fand ein gewaltiger Rückschritt statt. Dieses ganze Gerede über Freiheit und Demokratie der Westdeutschen hing ihm zum Halse raus.

Ihm hatte in all den Jahren nichts gefehlt. Zumindest nicht dieser ganze Quatsch, der in der BRD veranstaltet wurde. Es stieß ihn ab, diese abgestumpften und willenlosen Menschen sehen zu müssen, die der Kapitalismus produzierte.

Krause hielt an einer Tankstelle. Er brauchte eine Pinkelpause und einen Kaffee. Otto bekam eine Schüssel mit Wasser.

Zumindest hatte er jetzt ein Ziel – er wollte sich Helsinki ansehen und dann ein paar Seen genießen. Und immer weiter nach Norden fahren. Zu den Samen mit ihren Rentieren.

Sein Vater hatte ihm von diesem Volk erzählt. Und er hatte einige Berichte über die Samen gesehen.

Er saß wieder im Wohnmobil und der Fährhafen wurde schon angezeigt. Noch 12 Kilometer. Krause dachte an den Augenblick auf der Bank vor dem U-Bahnhof. Als die Alte ihn rettete.

Krause schüttelte den Kopf. Unvorstellbar – obwohl das gerade erst passiert war.

Die Warteschlange war nicht allzu lang. Nach einer Stunde war er auf der Fähre.