Schlagwörter

, , , , , , ,

Krause fand hinter Kelloselka viel Wasser, das zum Angeln einlud. Außerdem wurde es hügelig und waldreich. Er hatte Zeit und blieb an den schönsten Plätzen immer zwei Nächte.

Alles in ihm war zur Ruhe gekommen. Das Herz schlug gleichmäßig und er schlief jede Nacht sehr gut.

Beim Angeln ging ihm sein ganzes Leben durch den Kopf. Es war wie ein Film. Seine Schulzeit, die Lehre und dann seine Berufszeit.

Er erinnerte sich an die guten und wichtigen Sachen. Alles andere kam nicht vor. Zumindest bis 1990.

Danach wurde alles anders. Eine Krise jagte die nächste. Also endete sein Film im Jahr 1989.

Krause lächelte, weil er seine Vergangenheit so gut im Griff hatte. Zumindest in seinen Gedanken. Es gab nur einen Punkt, der ihm nicht gefiel: Er hatte nie geheiratet und keine Kinder gezeugt.

Daran knabberte er ein bißchen. Im Nachhinein.

Seine Schwester war gleich 1990 in den Westen gezogen und heiratete einen Börsenmakler. Krause hatte sie zweimal besucht – aber das Gequatsche seines Schwagers ging ihm auf den Sack. Der redete nur über Geld.

Krause war eben wie ein Maulwurf – tief unter der Erde arbeiten und die Stille genießen.

Otto schnüffelte dort irgendwo am Waldrand und markierte sein Revier. Vielleicht dachte er, das hier wäre ihr neues Zuhause. Otto gefiel es in der Natur – in Berlin war es meistens laut und nicht so schön. Vor allem roch es hier interessanter.

Krause packte die Angel ein und putzte die Fische gleich am Ufer. Dann ging er mit Otto zum Wohnmobil. Grill anheizen und Fische in Alu-Folie verpacken.

Den Rest der Fische briet er in einer Pfanne, und übergoß sie danach mit einem heißen Sud aus Wasser, Essig, Zwiebeln, Lorbeerblättern, Pimentkörnern, Salz, Zucker und Pfeffer. Das Rezept seines Vaters. Nach 24 Stunden würden die Fische fertig sein.

Ein finnisches Bier genießen und warten, bis die Holzkohle durchgebrannt war.

Das machte er jetzt schon seit Tagen. Er war noch keinem Menschen begegnet. Und Rentiere hatte er auch noch nicht gesehen.

Das würde sich bald ändern. Morgen wollte er bis zum Inari fahren. Dort wohnten garantiert Menschen. Krause kroch früh ins Bett. Er wollte sehr zeitig aufbrechen.

Nachts träumte er irgendetwas, was nicht angenehm war. Aber er wußte morgens nicht, was er geträumt hatte.

Nach einem schnellen Frühstück fuhr er los.