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Krause fuhr mal wieder durch eine herrliche Landschaft. Er wollte erstmal bis zum Weißen Meer kommen und dort ausspannen.

Es kam wie immer anders. An einer Tankstelle sprach ihn ein junger Mann an. Ob er in Richtung Kirowsk fahren würde. Ja, das wäre möglich. Otto freute sich über den neuen Gast.

Krause und Igor redeten lieber Englisch – denn Krauses Russisch war etwas verstaubt. Alles aus den 70/80er Jahren. Und die jungen Leute sprachen heute anders.

Igor war von St. Petersburg aus getrampt, um seine Eltern zu besuchen. Und der letzte LKW machte plötzlich schlapp. So also kam er in Krauses Auto. Igor studierte in St. Petersburg und war ein Abenteurer.

Irgendwann kamen sie in ein kleines Dorf am Weißen Meer. Die Eltern standen schon vor dem Haus und warteten auf ihren Sohn. Krause wollte weiterfahren – aber das ging nicht. Otto war auch ausgestiegen und Mutter Irina ließ ihn nicht weg.

Also mußte er bleiben. Und wie es so üblich war- mindestens für eine Nacht. Er baute sein Zelt auf und setzte sich an den festlich gedeckten Tisch. Vater Kolja hatte heute Geburtstag.

Abends würde noch das halbe Dorf kommen, um zu gratulieren. Krause vermißte die erhoffte Einsamkeit. Aber diese Gastfreundschaft konnte man niemanden übel nehmen.

Durch Igor wußten alle, daß er einfach so durch die Gegend reiste. Ohne Zeitnot und Ziel. Ein verrückter Deutscher.

Krause tanzte abends einen Tango mit einer sehr gut aussehenden Russin. Es waren eher fünf Tangos.

Er nahm sich vor, demnächst keine Einladungen mehr anzunehmen. Aber einfach war das nicht. Das halbe Dorf lud ihn ein – das reichte ja schon für mindestens 100 weitere Tage in dem Dorf.

Aber Krause wollte weiter. Irgendwo das Zelt aufstellen und zuhören, was sich die Fische erzählen.

Igor zeigte ihm ein Holzhaus, das nicht bewohnt war. Falls er wollte, könnte er dort leben.

Woher wußte denn Igor, daß er auf der Flucht war? Sah man ihm das so sehr an? Krause grübelte lange, bevor er einschlafen konnte. Es war schon merkwürdig, was alles passierte, seitdem er auf Reisen war.

Zwei Nächte und viele Wodkas später fuhr er weiter. Irgendeinen ruhigen Platz würde er schon finden. Aber er würde zurückkehren. Wenn seine Neugier gestillt war.

Auf der Halbinsel Kola kam er zur Ruhe. Er blieb fünf Tage an einem Ort, der alles zu bieten hatte, was er brauchte. Ein stiller See.