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Der stille See war nur zwei Tage lang still. Am dritten Tag tauchte Nina auf. Sie wohnte in einer riesigen Datscha – es war eher ein Blockhaus mit zwei Etagen.

Krause konnte das Blockhaus sehen und fragte sich, wer da wohl wohnte. Natürlich Nina.

Ihr Mann hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Millionen grüne Dollars gemacht. Irgendwelche dunklen Geschäfte. Da war er nicht der einzige Gauner. Viele wurden über Nacht zu Millionären.

Jedenfalls wurde ihr Mann vor vier Jahren ermordet und hinterließ beträchtliche Reichtümer.

Nina verkaufte die Eigentumswohnung in St. Petersburg und beschloß, hier zu wohnen. Die Datscha hatte 8 Zimmer und zwei Bäder. Dazu noch einen riesigen Balkon mit Aussicht auf den See.

Sie bot ihm an, bei ihr zu wohnen. Es wäre genug Platz und sie wollte kein Geld. Krause sah an ihren Augen, was sie als Gegenleistung haben wollte.

Er war nicht der Typ, der sich auf schnelle Abenteuer einließ. Niemand sollte ihm zu nahe kommen. In Krause steckte eine tiefe Enttäuschung mit einer Frau. Also war er verschlossen und zugeknöpft.

Nina lud ihn jeden Tag zum Essen ein – und sie kochte hervorragend. Abends saßen sie auf dem Balkon und schlürften Wein. Aber Krause ging immer zurück in sein Zelt. Dort fühlte er sich sicherer.

Krause ließ also eine Millionärin abblitzen, die etwas jünger war als er und verdammt gut aussah.

War das klug? Er wußte es nicht. Seine Verwirrung war zu groß. Otto mußte sich stundenlang Krauses Monologe anhören. Manchmal knurrte er verständnisvoll.

Also saß Krause morgens am See und angelte. Dabei konnte er gut nachdenken. Eigentlich fühlte er sich wohl bei Nina. Sie drängte ihn nicht und ließ ihm alle Freiheiten.

Nach dem dritten Tag mit ihr beschloß er abzureisen. Nina war nicht eingeschnappt. Sie lachte nur und sagte ihm, er sollte seine Reise fortsetzen. Wenn er genug gesehen hätte, sollte er wiederkommen.

So war das am stillen See.