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… vor einer Tafel für Bedürftige. Dort gab es Lebensmittel, wenn man die richtige Nummer gezogen hatte.

Die ersten Hundert gingen fröhlich weg – die anderen bekamen spärliche Reste oder nichts.

  • Kalle – wir haben heute richtig Glück. Nummer 78 und 79.
  • Wurde ja auch mal Zeit.
  • Kalle – hast du das mit dem Hindukusch gehört?
  • Nee. Was soll da sein?
  • Unsere Freiheit wird dort nicht mehr verteidigt. Jetzt wird es böse für uns. Die Taliban werden Bomben auf uns schmeißen.
  • Ach den Quatsch meinst du. Glaubst du an solche Märchen?
  • Nee. Aber die anderen Menschen.
  • Hier in der Warteschlange?
  • Keine Ahnung, wo die jetzt gerade sind.
  • Auf jeden Fall nicht hier. Atze – streng mal deinen Kopf an. Falls das noch geht …
  • Ja. Wer gewinnt die Bundestagswahlen?
  • Atze – tickst du noch richtig? Egal wer da gewinnt – wir werden hier danach immer noch anstehen. Die Tafeln sind eine Errungenschaft der BRD. So wichtig wie der Bundesadler. Verstehste?
  • Mensch Kalle, das weiß ich auch. Aber man kann sich doch mal darüber unterhalten.
  • Also Atze – seichte Gespräche mag ich nicht. Warum soll ich über Sachen reden, die in Stein gemeißelt sind?
  • Worüber reden wir denn sonst so?
  • Über den Alltag. Über den Kampf, nicht unterzugehen.

Beide hatten ihre Rollis gefüllt und zogen ab. An einer Kreuzung verabschiedeten sie sich.

Sie würden sich am nächsten Tag wiedersehen. Das war die einzige Konstante in ihrem Leben.