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Mascha machte sich zurecht. Es war Frauentag und sie war eingeladen.

Doch die ganze Zeit mußte sie an ihren Zwillingsbruder denken. Sie hatten zusammen 9 Monate im Bauch ihrer Mutter verbracht und dort viele Gespräche geführt.

So kam es ihr heute vor. Ihr Bruder war nun schon lange tot.

2010 gingen sie zusammen nach Odessa – ein internationales Unternehmen hatte sie eingestellt. Odessa war eine wunderbare Stadt.

Doch dann kamen 2014 die Faschisten an die Macht. Sie putschten die Regierung weg und versuchten alle Russen umzubringen und alles Russische auszulöschen.

Mascha mußte mit ansehen, wie ihr Bruder im Gewerkschaftshaus von den Faschisten verbrannt wurde. Den Tag würde sie nie vergessen. Er stand am Fenster und schrie. Alles stand in Flammen.

Er verbrannte mit vielen anderen. Sie konnte ihn nicht einmal beerdigen. Nichts war von ihm übrig – außer ihre Erinnerung an ihn.

Danach flüchtete sie nach Donezk – zu einer Tante ihrer Mutter. Donezk wurde täglich von den Faschisten aus der Ukraine mit Granaten beschossen.

Als sie vom Einkaufen kam, war das Wohnhaus verschwunden. Und ihre Großtante auch. Da war nichts mehr. Eine Rakete hatte alles zerstört.

Mascha schlug sich bis zur russischen Grenze durch. Sie wollte nach Hause. Und das war Rostow am Don.

Sie war nach ein paar Tagen glücklich dort angelangt.

Zwei Menschen hatte sie verloren. Und es störte sie gewaltig, daß die westlichen Medien nichts über den brutalen Krieg der ukrainischen Faschisten berichtete. Nein im Gegenteil – die wurden von den USA und der EU finanziert.

Sie mußte manchmal an Afghanistan denken; ihr Vater hatte dort in den 80ern gekämpft und eine Hand verloren. Sie wußte alles über den Krieg, den der Westen inszeniert hatte. Es war immer das gleiche Muster.

Mascha mußte jetzt abschalten. Sie freute sich auf die Feier. Tolja – ein Schulfreund – hatte sie eingeladen. Es würden so ca. 10 Gäste bei ihm und seiner Frau sein.

Die Männer würden kochen und die Frauen würden rumsitzen und Wein trinken und sich bedienen lassen.

Sie lief und hüpfte auf dem Weg zu Tolja. Es war eine Freude in ihr, die sie nicht unter Kontrolle bringen konnte.

Die tiefe Trauer, die sie seit Jahren in sich trug, war jetzt still und nicht mehr erdrückend.

Tolja begrüßte sie an der Wohnungstür mit einem Blumenstrauß. Seine Frau zog sie gleich ins Wohnzimmer und schenkte Wein ein.

Mascha fühlte sich wohl. Hier war sie geboren, hier war ihre Heimat.

Rußland. Unendlich groß, zärtlich und weise.


Ich wünsche allen Frauen einen schönen Feiertag!