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ammitAmmitschamma saß bei seinen Ziegen und kaute auf einem Grashalm. Der eisige Wind kam von den Bergen und tobte durch das Tal.

Seit er denken konnte, war dort sein Zuhause. Er konnte von hier oben das glänzende Dach der Moschee sehen und fast sein Elternhaus. Aber das lag dahinter.

Er war gerade neun Jahre alt, als seine Eltern und und seine Schwester bei einer Hochzeit getötet wurden. Er selbst hatte Glück, weil er mit seinem Onkel bei den Ziegen war.

Der Tod kam durch eine Drohne der Ungläubigen. Diese bombten und töteten schon seit 20 Jahren in seinem Land. In der Moschee wurde täglich der Unmut laut.

Tod den Ungläubigen!

Ammitschamma hatte keine Rachegefühle. Er besaß jetzt 27 Ziegen und wohnte mit seinem Onkel Hasan zusammen. Der Onkel war krank und hütete nur noch das Haus. Aber er lebte noch. So war er nicht ganz allein. Dem Onkel konnte er abends alles erzählen, was ihm durch den Kopf ging.

Was hatten die Ungläubigen hier verloren? Warum brachten sie jeden Tag friedliche Bauern um? Ammitschamma wußte nur, daß diese Mörder aus Amerika und Europa kamen.

Alle Leute in der Moschee konnten seine Fragen nicht beantworten. Selbst der Imam murmelte immer nur etwas von Ungläubigen.

Ammitschamma konnte sich nicht vorstellen, daß es Menschen gibt, die nur morden, weil sie ungläubig sind. Das würde Allah nicht zulassen. Es ergab keinen Sinn.

Er kannte nur diese Berge und das Tal dazwischen. Und dort waren alle friedlich. Jeder half jedem. Niemand war reich – aber niemand hungerte. Alle schätzten ihr Leben und hofften, daß die Ungläubigen irgendwann verschwinden würden. Mit ihren Bomben.

Onkel Hasan sagte ihm jeden Tag, daß Allah schon dafür sorgen würde, daß diese Mörder wieder abziehen. Man müßte Geduld haben. Allah hat so viel zu tun, daß er nicht alles zugleich machen kann.

Das verstand Ammitschamma. Obwohl er es nicht vernünftig fand, daß Allah so groß sein sollte, aber so machtlos.

Ammitschamma warf den Grashalm weg und trieb seine Ziegen zusammen. In einer Stunde würde er mit seinen Ziegen im Tal sein. Dann das abendliche Melken und ein Abendessen mit Onkel Hasan. Danach schlafen, bis die Sonne aufging.

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