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Zuerst ging Krüger einkaufen. Seine Kaufhalle war nicht weit entfernt. Außerdem hatte er so eine lustige Tasche, die er auf Rädern hinter sich herzog. Krüger bewegte sich mit beachtlichen 3 Km/h vorwärts. Auf dem Bürgersteig fuhren Fahrräder, Mopeds und Autos an ihm vorbei. Krüger mußte manchmal ausweichen. Schimpfen half nicht.

Danach setzte er sich an seinen Computer und stöberte im weltweiten Zwischennetz. Er las auf diversen Schreibblocks und wurde nicht schlauer. Irgendwie erschien ihm die ganze Welt irreal.

Krüger fütterte seine Fische im Aquarium und setzte sich davor. Dann schlief er ein. Und träumte.

Krüger war plötzlich wieder in Ostpreußen. Er war sehr klein und stritt sich mit seinem großen Bruder. Es ging um einen Bonbon. Sein großer Bruder gewann den Kampf. Krüger lief weinend zu seiner Mutter. Die tröstete ihn.

Dann sah er Bilder ihrer Flucht. Auf dem Pferdewagen. Hunger, Not und Bomben. Tote am Straßenrand.

Die Ankunft auf dem Bauernhof. Essen. Schlafen. Arbeiten.

Das Studium in Berlin. Seine erste Schulklasse. Der Tod seiner Mutter. Die Geburt seiner drei Kinder. Der Tod seiner Frau. Die Enkel und Urenkel.

Krüger erwachte und trank ein Glas Milch. Dann ging er spazieren. Er sah überall Müll und Dreck. Krüger schüttelte den Kopf. Was war das für ein Land. Er lebte nun seit 58 Jahren in diesem Kiez – aber so verwahrlost war der erst seit 28 Jahren. Früher war es sauber und die Häuser waren etwas grau. Nun waren die Häuser quietschend bunt und überall war Hundescheiße und Müll.

An 1989 konnte er sich gut erinnern. Dieser vom Westen organisierte Putsch. Die Beschlagnahmung seiner Heimat.

Krüger kam ziemlich traurig in seine Wohnung zurück. Er trank einen Kamille-Tee und aß danach eine Tomatensuppe mit etwas Brot.

Er versenkte sein Gebiß im Becher und hielt einen Mittagsschlaf.