Schlagwörter

, , , , , , , ,

Meier hatte mal wieder eine Vorladung bekommen. Sein Fallmänätscher bat um einen Termin. Meier lachte. Die Katze lachte mit. Meier mußte dahin, um weiterhin seine Wohnung zu behalten.

Er hatte sich schon vor Jahren von der kapitalistischen Ausbeutung verabschiedet. Also wurde er ausgegrenzt. Niemand erschoß ihn – man quälte ihn nur bis zum sicheren Tod. Die umbenannten Ämter hatten nur eine Funktion: Andersdenkende mußten gefoltert und verfolgt werden. Der Kapitalismus gründete sich auf Diebstahl und Unterdrückung. Meier wußte das. Also trank er in Ruhe seinen Kamillentee und amüsierte sich über das Schreiben.

Meier zog seine Wartenummer und hatte ein Buch dabei. Neben ihm saßen zweifelhafte Personen mit zweifelhaften Absichten. Meier vertiefte sich in sein Buch.

Zwei Stunden später leuchtete seine Nummer auf. Zimmer 4389. Meier schlurfte dorthin.

Dort saß eine etwa 25jährige Schwäbin und lächelte ihn strahlend an.

  • Herr Meier – schön das sie kommen konnten.
  • Ebenso einen Guten Tag wünsche ich. Wer sind sie?
  • Ihre Fallmänätscherin. Frau Kleinele. Was kann ich für sie tun?
  • Ich habe hier eine Vorladung.
  • Zeigen sie mal. (Liest und bewegt dabei die Lippen. Meier guckt an die Wand.) Aha. Stimmt. Wir haben einen Schopp für sie.
  • Hmmh.
  • Freuen sie sich nicht?
  • Doch, schon. Ich bin nur schüchtern.
  • Also – sie können nächste Woche als Toilettenfrau in Moabit anfangen. Mindestlohn, Mindesturlaub, seriöse Firma. Zufrieden?
  • Total.
  • Herr Meier – sie haben seit 10 Jahren nicht mehr gearbeitet. Das ist doch ein tolles Angebot!
  • Hmmh.
  • Gut – also melden sie sich am Montag um 7.00 Uhr bei Herrn von Stetten in der Turmstraße. Hier ist ihr Zettel.
  • Kein Einstellungsgespräch?
  • Nein. Sie haben schließlich studiert. Sie sind absolut geeignet. Herr von Stetten legt viel Wert auf qualifiziertes Personal.
  • Aha.
  • Unterschreiben sie bitte hier.

Meier unterschrieb und verließ das Gebäude. Nach 30 Minuten war er wieder in seiner Wohnung.